Mittelmeerkreuzfahrt 2012, Rijeka – Split

So eine Mittelmeerkreuzfahrt mit einem Traumschiff wäre schon mal eine Sache, so ein richtig erholsamer Urlaub auf einem Schiff, gutes Essen und Trinken, dazwischen diverse Landausflüge, charmante Mitreisende für tiefsinnige Gespräche über die optimale Breite von Freeride-Schi ….

Leider bin ich mit meinen Buchungsversuchen zu spät dran – diesen Sommer ist absolut kein Platz auf einem seriösen Schiff zu bekommen, die Costa Concordia liegt immer noch vor Italien mir bleibt nur noch ein kleiner Anbieter – Amotion Adventure Tours (kurz AAT) übrig.

AAT ist ein kleiner Anbieter von Touren, mit dem ich schon ein paar Mal unterwegs war und der im Bergbereich immer ganz brauchbare Touren organisiert hat – aber für Luxuskreuzfahrten fehlen bisher die Referenzen – ich bin neugierig was mich erwartet und beginne  Literatur über Seefahrer wie Heinrich, der angeblich nie ein Schiff bestiegen hat, und Francesco Schettino, der sich als glückloser Kapitän der Costa Concordia einen Namen gemacht hat, zu studieren.

Diesmal war‘s allerdings noch schlimmer wir bei den schon spartanischen Donaukreuzfahrten: statt einem Ticket für einen Luxusliner werde ich in ein kleines Paddelboot gesetzt, zum Essen gibt‘s nur 10 Packerlsuppen und 1 kg Nudeln, Bier bleibt aus Platzgründen daheim, dafür wird das Boot mit 10 Liter Trinkwasser befüllt – eine Verschwendung! Zusätzlich gibt‘s ein paar verkleinerte Seekarten, ein GPS Gerät, 2 Telefone für den Notfall, eine Signalrakete. Statt der Deckkabine mit Balkon kommen Zelt und Schlafsack in die vordere Lucke, Schwimmweste, Spritzdecke, ein Kocher statt einem Koch – und das war‘s. Heimlich schwindle ich doch noch ein paar Süßigkeiten und 2 Bierdosen an Board, dann ist aber wirklich kein Platz mehr übrig.

Sicherheitshalber gehe selber noch einmal auf die Donauinseln und übe Kenterungen, die ich eigentlich ganz gut beherrsche. Nur mit dem Wiedereinstieg ins  Boot hapert es noch. Dabei verstreue ich noch meine Ausrüstung und lerne einiges über Ladungssicherheit. Das Ziel ist auf alle Fälle klar, ich will mit trockenen Haaren wieder heimkommen.

Zur Reiseroute:

Die glorreiche österreichische Marine, hatte ihren Stützpunkt in Pula, der Österreichische Lloyd war in Triest daheim – trotzdem will ich in Rijeka starten – liegt einfach günstiger. Ich finde zwar eine Stelle wo ich in Hafennähe ins Wasser komme und auch einen Parkplatz – richtig perfekt ist‘s aber nicht für den Start. Somit geht es weiter zur Insel Krk, wo ich gleich nach der Brücke einen geeigneten Campingplatz als Startpunkt finde.

Ziel ist es der Insel Krk zu folgen, nach Rab und Pag zu wechseln und dann über einen eleganten Bogen über die Kornaten in der Hafenstadt Split einzulaufen. klingt wieder einmal wie beim Bergsteigen ganz einfach – ins Boot einsteigen – losfahren – anlegen – Bier trinken …

Bei der ersten Abkürzung ( ich will eine Bucht nicht am Ufer ausfahren) komme ich gleich ins erste Gewitter und lerne die ersten Lektionen: eine Schwimmweste und eine Spritzdecke die am Deck verpackt sind kann man nicht mehr anziehen wenn man das Paddel verkrampft in zwei Händen hält. Das Gewitter treibt mich zu neuen Höchstleistungen und im letzten Moment bevor es losgeht erreiche ich das rettende Ufer. Der Papst hat sicher Flugangst, wenn er nach jeder Landung den Boden küsst, ich zeige den Motorbootfahrern in der Bucht jedenfalls meine Erleichterung nicht und surfe cool an den Kiesstrand. Dass ich nach zwei Stunden Zwangspause dann mit Spritzdecke und Schwimmweste wegfahre, fällt den Biertrinkenden Bootsfahrern nicht auf.

Krk kenn ich von der Testtour im letzten Jahr, und so spule ich routiniert die Meter ab.  Vor der Ortschaft Krk finde ich noch einen geeigneten Schlafplatz und freue mich auf den nächsten Tag und die ersten längeren Passagen zwischen den Inseln.
(Mein Boot kennt kein Steuerbord oder Backbord und fährt auch ungerne geradeaus, es ist auch in Kilometern unterwegs und nicht in Seemeilen!)

Bevor ich diesmal das sichere Ufer verlasse, drehe ich mich nochmals um und prüfe den Himmel auf Anzeichen von Gewittern, schließe die Spritzdecke und bin echt überrasch wie schnell ich dazulerne. Der Wind wird im Laufe des Tags stärker, aber ich genieße die Überfahrt und lasse gleich 2 Inseln und eine Bucht ganz links liegen.

Wie von Jadranka angekündigt kommt gegen 15 Uhr der Schönwetterwind aus Nordwest, die Wellen werden höher und ich habe meinen Spass in den Wellen. Die Küste ist zwar steinig, aber es gibt genügend Anlegemöglichkeiten und auch den entsprechenden Platz für Fehler. Ich weiß, dass die Wellen in den Kornaten höher sein werden und lerne das Verhalten meines Boots immer besser kennen und ernte den ersten Applaus von Touristenbooten.

Die nächsten Tage bringen keine Highlights, ich arbeite mich die Küste nach unten, sitze stundenlang im Boot, freue mich über Häfen und Kaffeehauser, schattige Plätze zum Rasten und gehe sogar einmal bis zum Bauch ins Wasser, das Ziel heißt ja nach wie vor mit trockenen Haaren in Split anzukommen.

Langsam kommen ich auch auf weitere Anfängerfehler raus: ich trage Monatslinsen, die ich allerdings vorher nicht getestet habe. Damit sehe ich in der Weite wie ein Seeadler und kann  jede schlechte Tätowierung der Badegäste erkenne, nur die Seekarte kann ich aufgrund des optischen Fehlers der Linsen nicht mehr lesen. Somit wird auch die Kommunikation mit den Leuten schwierig – „Hallo, ich bin der Andi aus Wien, bin ich jetzt auf der Insel die ausschaut   wie eine vertrocknete Birne ?“

Kurz vor Zadar biege ich nach Südwesten ab, ich fühle mich für den Kornaten Ausflug gut genug vorbereitet. Ein kurzer Anruf in Wien bei Wolfgang bestätigt mir den guten Wetterbericht.

An der Südspitze der Insel Dugi finde ich eine romantische Bucht, die ich gegen 22:00 ansteure. Für die Hitze untertags bin ich einfach nicht gebaut, ich paddle in der Früh und am Vormittag und fühle mich am Nachmittag in diversen Gaststätten im Schatten am wohlsten. Die Paddeleinheit am Abend macht dann wieder richtig Spass und irgendwie finde ich dann meist doch noch einen brauchbaren Platz für Boot und Zelt. Wegen der Hitze (oder genauer gesagt wegen dem Bier, das ich wegen der Hitze trinke) habe ich auch keine Probleme einzuschlafen ….

Jeder Kroatien- Prospekt hat ein Bild der Kornaten und das mit Recht, den nächsten Morgen genieße ich und cruise zwischen diversen Inseln am stillen Meer. Der Hafen und Ankerplätze – Atlas von Karl-H- Beständig ist sogar mit meinen optischen Problemen lesbar und versorgt mich mit zusätzlichen Informationen, so wird die 70 Meter Klippe der Insel Manu und eine uriges Wirtshütte in die Reiseplanung aufgenommen.

Beim aufkommenden Maestral bin ich mit Schwimmweste gut vorbereitet.
Um es kurz zu machen, Fotos gibt es keine mehr und ich habe mich schnell hinter den vorgelagerten Inseln versteckt. Ich schlage einige Rettungsangebote aus, bin aber nach 3 Stunden Kampf mit Wind und Wetter ganz schön erledigt. Eine Marina lädt zur Erholung ein und nach einer ausgiebigen Pause setze ich auf nachlassenden Wind und paddle im Schutz einer vorgelagerten Insel weiter.

Was dann folgt, würde man in den Alpen als Notbiwak bezeichnen, weder Wind noch Wellen lassen nach und ich suche mir äußersten Ende der Insel Kurba Vela ein Kehrwasser, in dem ich mich ohne allzuviel Haut zu verlieren ans Ufer schwindeln kann. Zelt geht sich keines aus, aber ich habe schon schlechtere Nächte verbracht. Ich opfere mein Flasche Wein (in Wahrheit nur einen kleinen Schluck) an die Meergötter und hoffe am nächsten Morgen bei Windstille die in Wahrheit kritischte Passage der Tour zu meistern.

Am nächsten Morgen ist der Wind schwächer, die Wellen sind nach wie vor da aber es schaut ganz gut aus, ich starte die Passage zur Insel Zirpe. Eine Motorjacht begrüßt mich mit den Schiffshörnern, zumindest ein Youtube – Video wird es irgendwann geben. „Crazy seekayaker in a too small boat is fighting with too big waves …) Nach drei Stunden bin ich drüben und wie es so ist, jetzt lassen auch die Wellen nach ……

Tagesziel ist diesmal wieder das Festland, wo bei ich inzwischen dazu neige, auch Inseln als festes Land zu bezeichnen. Zwischendrin sitze ich dann wieder ein paar Stunde auf einer Insel und warte bis der Wind nachlässt. Der Rückenwind macht mich zwar schnell, aber kurze steile Wellen von hinten mag mein Boot, das auf den sinnigen Namen „The North Face“ hört, überhaupt nicht, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass es sich um keine „North Waves“ handelt!

Nach 1.5 Tagen ohne besondere Vorkommnisse (außer dass ich einer Frau das Motorboot rette, einigen kroatische Bier trinke, fast ein Containerschiff ramme, …) wird in Split wieder einmal (eine) Geschichte geschrieben. Knapp hinter der Costa Classica schwindelt sich ein kleines Tourenboot in das Hafen und weckt mindesten so viel Aufsehen wie die Superyachten der Reichen und Dicken.

Heimreise:
2 Mal pro Woche gibt es eine Fähre nach Rijeka, eine habe ich um einen halben Tag versäumt. Bus will mich auch keiner mitnehmen und so habe ich noch 3 Urlaubstage in Kroatien gewonnen. Split ist eine großartige Stadt, aber am schönsten ist es in den Kellergewölben des Dioklezian Palastes (da schön kühl) und am Glockenturm (schön luftig). Gasthäuser gibt es auch und am Campingplatz in Stobrec finde ich eine Pizzeria mit schattigen Gastgarten am Meer, und dort gefällt es mir dann fast so gut wie im Kajak!
Sonntag abends geht‘s dann mit der Fähre Liburnija (228 Kune für das Boot, 169 Kune für mich) zurück nach Rijeka. Die erkundete Einstiegsstelle in Rijeka ist auch noch da und so schummle ich mich am Montagmorgen aus dem Hafen, die letzten 15 km zum Auto nach Krk warten.

Meine Mittelmeerkreuzfahrt reiht sich nahtlos in die großen Abenteuer wie die Urlaube in Zermatt, Chamonix, Island, Elbrus, Wien-Nizza, Biking Monte Rosa, … ein.
Nächstes Jahr geht es weiter, Split – Dubrovnic, notgedrungen wahrscheinlich wieder mit Amotion Adventure Tours als Reiseveranstalter ….

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